Verkauf von Poker.de durch NICIT
Rekordpreis für .de Domain
Poker.de konnte für einen neuen Rekord im Domainhandel sorgen. Der Ausrufpreis der begehrten Domain betrug immerhin 500.000 Euro. Die Auktion fand am 17. Mai im Rahmen einer internationalen Domaintagung in Amsterdam statt.
Schließlich ging Poker.de für 695.000 Euro an PartyGaming Plc. Das Unternehmen wurde 1997 gegründet und notiert seit Juni 2005 an der Londoner Börse. Der Firmensitz ist in Gibraltar, dessen Lizenzen gerne von der Glücksspielbranche genutzt werden. Poker ist der wichtigste Geschäftszweig von PartyGaming, 2006 wurden damit fast 75 Prozent der gesamten Einnahmen erzielt. Bisher ist das Unternehmen mit der Marke PartyPoker tätig.

Doch auch PartyGaming leidet unter den rechtlichen Turbulenzen, die im vergangenen Jahr die gesamte Gaming-Branche bedrängten. Aufgrund des “Unlawful Internet Gambling Enforcement Act”, der Ende September 2006 vom US-Senat verabschiedet wurde, musste PartyGaming die Glücksspiel-Aktivitäten in den USA einstellen. Ein schwerer Schlag, denn rund 70 Prozent der Einnahmen, die PartyGaming 2006 erzielte, kamen von Kunden aus den USA. In absoluten Zahlen sind das fast 780 Millionen US-Dollar. Die Aktie von PartyGaming verlor in der Folge bis zu 75 Prozent ihres Wertes.
So muss PartyGaming neue Märkte erschließen. Der Erwerb von Poker.de schafft eine starke Internetpräsenz im deutschsprachigen Raum. Nikhil Patwardhan ist bei PartyGaming für Domain-Akquisitionen und Suchmaschinenmarketing verantwortlich. Er gab das erfolgreiche Gebot für die Topdomain ab, auf der nun eine Pokerschule mit Playmoney eingerichtet werden soll.
Aktive Domainvermarktung
Die deutsche Domainbörse Nicit initiierte den Coup. Geschäftsführer Daniel Kollinger bemerkte, dass Poker.de bisher nur als Weiterleitung auf eine andere Website genutzt wurde. Es war also noch kein eigenständiges Projekt mit diesem Domainnamen verbunden. Er überlegte: Vielleicht waren die Inhaber bereit, diese Domain zu verkaufen. So nahm Kollinger im Juli 2006 Kontakt mit den Vorbesitzern auf. Die Verhandlungen dauerten neun Monate. Dann wurde der Vertrag unterzeichnet. Die Nicit GmbH konnte mit der Vermarktung von Poker.de beginnen.
Es stand bereits fest, dass Nicit die Auktion für die internationale Konferenz “Domainfest” organisiert. Veranstaltungen gab es seit Juli 2006 bereits in Barcelona und Hollywood. In Amsterdam war nun im Hilton-Hotel das vierte Treffen. Der Träger der Konferenz ist DomainSponsor, ein Unternehmen aus Los Angeles, das zu den Marktführern in der Domain-Industry zählt.
Daniel Kollinger blieb weiter aktiv. Zwei Wochen vor der Auktion fand, ebenfalls in Amsterdam, eine Tagung für Online Gaming statt: Die “Casino Affiliate Convention” ist ein bedeutendes Network-Treffen für Internetmarketing. Die wichtigsten Unternehmen der Gaming-Branche sind dort anwesend. Kollinger fuhr hin und informierte potenzielle Käufer, dass die Top-Domain Poker.de versteigert wird.
Die großen Player des Gaming-Marktes hörten aufmerksam zu. Blackjack.de wechselte 2006 für 300.000 Euro den Besitzer. Chat.de brachte 360.000 Euro und war damit bisher die teuerste “de”-Domain, deren Verkauf öffentlich bekannt wurde. Poker.de schaffte den Rekord: Noch nie erzielte eine Domain mit der deutschen Länderendung ein so hohes Ergebnis.